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Geschichte

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Als selbständige Einrichtungen entstanden Kinderkrankenhäuser erst im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Vorher wurden kranke Kinder gemeinsam mit Erwachsenen betreut. Wegen der hohen Infektionsgefahr wurden Säuglinge gar nicht in Hospitälern versorgt.

In Jena wurde die Kinderheilkunde als offizielles Lehrgebiet der Inneren Medizin jahrzehntelang vom Direktor der Medizinischen Klinik bzw. Poliklinik gelesen. Prof. Felix Lommel, seit 1907 Direktor der Medizinischen Poliklinik, ersuchte am 7.3.1910 die Medizinische Fakultät schriftlich um ihre Zustimmung zur Errichtung einer stationären Abteilung für Säuglinge, um den Studenten die Erkrankungen des Säuglingsalters besser demonstrieren zu können.

In einer Fakultätsratssitzung wurde die Schaffung einer stationären Abteilung für 6 Säuglinge befürwortet, das Vorhaben aber vom Departement des Inneren des Großherzoglich-Sächsischen Staatsministeriums in Weimar abgelehnt. 1911 und 1912 unterbreitete Lommel insgesamt 3 weitere Vorschläge, die jedoch stets wegen Raum- und Geldmangel abgelehnt wurden. Erst durch das finanzielle Engagement der Carl-Zeiss-Stiftung  die Schaffung eines Fonds, der auch für Zwecke der Kinderfürsorge verwendet werden sollte - wurden ab 1916 die Bedingungen geschaffen, ein Ordinariat für Kinderheilkunde und eine Kinderklinik einzurichten.

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Prof. Jussuf Murad Ibrahim (27.5.1877 - 3.2.1953) wurde für den 1.4.1917 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl berufen. Das Kinderkrankenhaus, zunächst für 25 Säuglinge und 5 Kinder im Alter von 1 bis 14 Jahren ausgelegt, wurde schrittweise um ein Mütter- und Säuglingsheim, Mütterberatungsstelle, Milchküche, Poliklinik, Wäscherei und Hörsaal erweitert. Am 15.5.1917 hielt Prof. Ibrahim die erste ambulante Sprechstunde ab, am 1.10.1919 wurde das erste Kind zur stationären Behandlung aufgenommen. Im Herbst 1921 begann der Neubau für das Therapeutikum (heute: Abt. Neuropädiatrie), in dem ab 1923 25 Betten für die Behandlung von Kindern mit Tuberkulose zur Verfügung standen. Für die Frischlufttherapie dieser Patienten wurden zwei Liegehallen errichtet.1938/39 erfolgte der Bau des Gymnastik- und Gemeinschaftsraumes, der heute als Hörsaal genutzt wird. Prof. Ibrahims Hauptarbeitsgebiete waren die spastische Pylorusstenose und die Erkrankungen des kindlichen Nervensystems. Daneben engagierte er sich sehr für die Ausbildung von Kinderkrankenschwestern. Die anerkannte Ausbildung mit Abschlussprüfung zur Säuglingspflegerin und Säuglingskrankenpflegerin wurde in Deutschland erst 1920- 1923 festgelegt. Erste Indizien für die Verstrickung von Prof. Ibrahim in die NS-Kindereuthanasie wurden 1985 bekannt, die intensive Aufarbeitung erfolgte aber erst in den 90er Jahren. Die Kommission Kinderklinik Jussuf Ibrahim bestehend aus 6 unabhängigen Wissenschaftlern der Friedrich-Schiller-Universität kam nach intensiver Prüfung aller vorliegenden Unterlagen auf ihrer Sitzung am 20.3.2000 zu der Bewertung, dass es zweifelsfrei sei, dass Prof. Ibrahim nach 1941 aktiv in die Euthanasie schwerstgeschädigter Kinder eingebunden war. Folgerichtig entschied daraufhin die Medizinische Fakultät Jena die Umbenennung der Universitätsklinik Jussuf Ibrahim (der Name war der Klinik nach dem Tode Ibrahims 1953 verliehen worden) in Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin.

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Prof. Erich Häßler (*22.4.1899 in Leipzig) wurde am 15.10.1953 zum Ordinarius für Kinderheilkunde und Direktor der Universitätskinderklinik berufen. Unter seiner Leitung erfolgte der Neubau des Klinikgebäudes in der Westbahnhofstraße, in dem sich heute die Poliklinik, die Tagesklinik, die Station 8a, sowie die Abt. Neonatologie und Intensivmedizin befinden. Die EEG-Abteilung wurde eingerichtet. Seine wichtigsten Arbeitsgebiete waren die Infektionskrankheiten (1949/50 Einführung der systematischen Behandlung des Scharlachs mit Penicillin), die Krankheiten des Skelettsystems, der kindliche Rheumatismus und Fragen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes (besonders Schutzimpfungen). Am 28.2.1965 schied Prof. Häßler aus Altersgründen aus seinem Amt aus.

 

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Am 1.3.1965 übernahm Prof. Wolfgang Plenert (*7.2.1921 in Forst/Lausitz, verst. 25.10.2000 in Jena) das Direktorat der Universitätskinderklinik. Wissenschaftliche Hauptarbeitsrichtungen waren die Fachgebiete Ernährung und Stoffwechsel (Entwicklung industriell hergestellter Säuglingsnahrungen, Adipositas) und die Onkologie. Prof. Plenerts großes Verdienst war die Bildung eigenständiger Abteilungen in der Klinik, die der zunehmenden Spezialisierung in der Pädiatrie in Neonatologie, Neuropädiatrie, Ernährung und Stoffwechsel, Nephrologie, Endokrinologie, Klinische Genetik, Onkologie, Pulmonologie Rechnung trugen. Damit übernahm die Jenenser Kinderklinik ab 1968 eine Vorreiterrolle für die Kinderkliniken in der damaligen DDR. 1975 wurde durch die Erweiterung der hämatologisch-onkologischen Station mit zunächst zwei Sterilpflegeeinheiten der Grundstein für den Beginn der Knochenmarktransplantationen im Jahre 1980 gelegt. Prof. Plenert wurde 1986 emeritiert.

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Ab 1.9.1986 leitete Prof. Gerhard Zwacka (*19.5.1940 in Jena) die Universitätskinderklinik. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Neonatologie und die Pulmonologie, Allergologie. Er forcierte die Forschungen zum plötzlichen Kindstod (SIDS) und gründete das Schlaflabor.Im Zuge der Strukturveränderungen im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung beendete die Carl-Zeiss-Stiftung ihre Beteiligung an der Kinderklinik und übergab sie in das Eigentum der Friedrich-Schiller-Universität und die Verwaltung des Klinikums. Einrichtungen der Klinik wie Pädiatrisches Labor, Kinderradiologie und Kinderphysiotherapie blieben zwar im Haus, wurden jedoch dem jeweiligen Institut des Klinikums zugeordnet. Am 2.2.1992 hat Herr Prof. Zwacka die Klinik verlassen.


 
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Am 1.7.1991 übernahm Prof. Felix Zintl (*30.12.1940 in Schöntal) als Geschäftsführender Direktor die Kinderklinik, die in drei selbstständige Abteilungen umstrukturiert wurde. Bedingt durch die veränderten Anforderungen und das Absinken der Geburtenzahlen erfolgten sowohl eine systematische Bettenreduzierung als auch eine Fortführung der Spezialisierung. Herrn Prof. Zintls Hauptforschungsgebiet ist die Onkologie, insbesondere die Tumorimmunologie und Hämatologie, sowie die Blutstammzelltransplantation. Er führte 1980 die 1. Knochenmarktransplantation in der DDR durch.Mit der Wiedervereinigung erlebte die Klinik einen erfreulichen technischen und baulichen Fortschritt: die Medizintechnik wurde komplett erneuert, aus Mitteln des Bundes, des Landes und der 1990 von Herrn Prof. Zintl gegründeten Kinderhilfestiftung e. V, wurden alle Stationen schrittweise rekonstruiert.


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Seit 1992 ist eine Kinderdialysezentrum des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation (KfH) an der Klinik etabliert, in dem die Betreuung von Kindern mit akuter und chronischer Niereninsuffizienz, sowie von Patienten vor und nach Nierentransplantation abgesichert wird. 2001 wurde die Abteilung Neuropädiatrie um das Sozialpädiatrische Zentrum erweitert. Neben der stationären Grundversorgung der Kinder und Jugendlichen aus Jena und dem Umland erfolgt an der Klinik die hochspezialisierte Betreuung sowohl für Patienten aus Thüringen als auch aus den umliegenden Bundesländern. Forschung und Lehre nehmen einen breiten Raum ein. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit am Klinikum, Jahrzehnte bestehende nationale und internationale Verbindungen ermöglichen eine hochqualifizierte Arbeit als Grundlage für den guten Ruf der Klinik. 2006 wurde der Bereich der Neugeborenen- Station in der Universitätsfrauenklinik den modernen Erfordernissen gemäß umstrukturiert. Mit der Einrichtung einer weiteren Frühgeborenenintensivstation in unmittelbarer Nähe zum Kreißsaal werden alle Kriterien eines Perinatalzentrums mit Level 1 erfüllt. Herr Professor Zintl wurde zum 31.10.2007 emeritiert. 


Seit 2007

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Neuropädiatrie

 

Seit dem 01.11.2007 ist Prof. James F. Beck (*14.02.1959 in Chicago/Illinois) Direktor der Klinik für Allgemeinpädiatrie. Sein Ziel ist es, neben der stationären Grundversorgung der Kinder und Jugendlichen aus Jena und dem Umland, die hochspezialisierte Betreuung sowohl für Patienten aus Thüringen als auch aus den umliegenden Bundesländern an der Klinik weiter zu entwickeln. Forschung und Lehre nehmen einen breiten Raum ein. Besonderer Forschungsschwerpunkt sind Untersuchungen zur Chemotherapieresistenz kindlicher Krebszellen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit am Klinikum, Jahrzehnte bestehende nationale und internationale Verbindungen ermöglichen eine hochqualifizierte Arbeit. Sie ist die Grundlage den guten Ruf der Klinik weiter auszubauen.

13.11.2010 09:00 - 15:00
14. Jenaer Impftag
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Letzte Aktualisierung: 2010-04-29 23:59:38